Gusenbauer wegen Temelin "sehr
sauer"
aus: Oberösterreichische
Nachrichten, 2007-03-04
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) ist "sehr sauer" auf die
tschechische Regierung, weil sie ihn während seines jüngsten
Prag-Besuchs nicht über einen Zwischenfall im Atomkraftwerk Temelin
informiert hatte.
"Das war ein unfreundlicher Akt", sagte der SPÖ-Chef.
Er habe seinem tschechischen Amtskollegen Mirek Topolanek "in einem sehr
deutlichen Telefonat gesagt, dass das so nicht geht". Topolanek habe
gesagt, es auch nicht früher erfahren zu haben, ergänzte Gusenbauer.
"Ich bin sehr sauer. Ich betrachte das klar als
unfreundlichen Akt, dass wir von diesem Störfall bei unserem Besuch in Prag
nicht sofort informiert wurden", so Gusenbauer. Der Zwischenfall werde "Konsequenzen"
haben, kündigte der SPÖ-Chef an. "Wir werden genau prüfen
lassen, ob das 'Melker Abkommen' verletzt wurde und wie wir dagegen vorgehen können."
Gusenbauer steht innenpolitisch unter Druck, eine Völkerrechtsklage gegen
Tschechien einzubringen, weil Prag die Betriebsgenehmigung für das südböhmische
Atomkraftwerk erteilt haben soll, ohne die dafür im Melker Protokoll
vereinbarten Sicherheitsmaßnahmen getroffen zu haben. Tschechien
bestreitet dies.
Gusenbauer hatte am Dienstag seinen Antrittsbesuch in
Tschechien absolviert. In der Nacht zuvor ereignete sich nach tschechischen
Angaben ein Zwischenfall im ersten Reaktorblock von Temelin, was die Prager Behörden
jedoch erst am Donnerstag bekannt gaben. Aus dem Reaktorblock traten 2000 Liter
Kühlflüssigkeit aus, radioaktive Strahlung sei nicht entwichen, hieß
es. Tschechien betonte, seine im Melker Protokoll festgelegten
Informationspflichten gegenüber Österreich erfüllt zu haben. Man
habe für die Übermittlung der Informationen nämlich 72 Stunden
Zeit.
bearbeitet by bi, 2007-03-04
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