Restrisiko: Terror
Es gibt keinen Schutz für
Atomanlagen vor einem gezielten Terroranschlag - nur sofortiges Abschalten
hilft!
"Über den gezielten, den beabsichtigten Absturz auf eine
kerntechnische Anlage hat bisher keiner geredet. Dieser Fall wurde in keinem
Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Gegen kriegerische Einwirkungen sind
Kernkraftwerke nicht geschützt und gegen Terroranschläge auch nicht.
Da gibts nur einen gewissen Grundschutz."
So äußert sich der Vorsitzende der Reaktorsicherheitskommission
Lothar Hahn nach den menschenverachtenden Anschlägen auf das World Trade
Center und das Pentagon in den USA. Dabei haben Anti-Atom-Initiativen und
Umweltschützer schon seit Jahren auf diese Gefahr hingewiesen - und wurden
stets belächelt.
"Wenn es das Ziel der Anschläge war, die Zivilisation dort zu
treffen, wo sie am empfindlichsten ist, und mit geringst möglichen Mitteln
das größtmögliche Leid und Chaos zu erzielen, dann müssten
Atomkraftwerke ein geradezu ideales Ziel für Terroristen dieses Schlages
sein," glaubt Ole von Uexküll von Barsebäckoffensiv.
Nur langsam kommt zum Vorschein, dass dieses Risiko allzu lange verharmlost
wurde. "Was wollte Attas (einer der Attentäter von New York, Anm. der
BI) Freund im Atomkraftwerk Stade"? fragt das Magazin "Der Spiegel"
und warum konnte jahrelang ein fanatischer Fundamentalist in Karlsruher
Nuklear-Anlagen aus- und eingehen?
Können wir nach dem 11. September wirklich noch so blauäugig in
die Welt schauen und denken, es wird schon nichts passieren? Wer jetzt nicht
seine Verantwortung ernst nimmt, wer jetzt nicht seinen Treueeid "Schaden
vom deutschen Volke zu wenden" einlöst und sofort handelt, indem er
das "Restrisiko" Atomanlagen stilllegen lässt, der macht sich
schuldig.
"Deutsche Atomkraftwerke sind gegen derartige Terrorangriffe nicht
ausgelegt." Dies ist das vorläufige Fazit von Bundesumweltminister Jürgen
Trittin zur Frage der Sicherheit von Atomanlagen bei Anschlägen, "die
in ihrer Qualität kriegerischen Angriffen gleichkommen." Er weiß
es also, aber er handelt nicht.
Da nützt es gar nichts, wenn die Sicherheitsvorkehrungen noch so
verschärft werden, wenn wie Lothar Hahn vorschlägt, die Bundeswehr mit
Flak-Geschützen die AKWs sichern sollen oder im nächsten
Genehmigungsverfahren die Mauerstärke erhöht werden soll.
Jetzt handeln - jetzt die Atomkraftwerke abschalten und ausräumen -
das ist das Gebot der Stunde und das würde einen verantwortungsvollen
Politiker auszeichnen. Doch wir werden vergeblich darauf warten. Es sei denn,
wir sind uns bewusst, dass dieses Restrisiko uns den Rest geben wird und fordern
jetzt mit aller Macht unser Grundrecht auf Leben und körperliche
Unversehrtheit ein.
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