AKTUELLES

AKW Temelin: Blockade aller Grenzübergänge zu Tschechien angekündigt

"Wenn die Bundesregierung weiter verzögert..."

aus: LinksZeitung, 2007-05-18

Von Jan Pivnica

Temelín/Prag/Wien (LiZ).- "Sollte die Bundesregierung die Einleitung der Völkerrechtsklage weiterhin verzögern, werden bei der nächsten Protestaktion alle 16 Grenzübergänge zu Tschechien blockiert werden", so die Organisatoren der Temelin- Grenzblockaden bei einer Pressekonferenz vor dem 60 km von der deutschen Grenze entfernten südböhmischen Atomkraftwerk in Temelin. Atomkraftgegner begründen ihre Haltung wie folgt: "Der Murks begann schon in den 80er Jahren. Da hat die CEZ, die Betreibergesellschaft begonnen, das AKW Temelín zu bauen. Dabei wurde die Technik mit der Technologie der UdSSR, die Steuerung aber mit der amerikanischen Technologie (Firma Westinghouse) gebaut. Dass das nicht zusammenpassen kann, ist wohl leicht verständlich".

Der österreichische Nationalrat hat am 14. Dezember 2006 - also vor mehr als fünf Monaten - die Bundesregierung aufgefordert, völkerrechtliche Schritte gegen die Tschechische Republik einzuleiten! "Bundeskanzler Gusenbauer hat es bislang nur geschafft, ein Gutachten in Auftrag zu geben, dass bestätigt: a.) JA, das Melker Abkommen ist völkerrechtlich verbindlich und b.) JA, der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag ist für den Streitfall Temelin zuständig! Wenn die Tschechische Republik der Meinung ist, alle Verpflichtungen aus dem Melker Abkommen erfüllt zu haben, sollten keine Bedenken bestehen, sich dem Internationalen Gerichtshof zu unterwerfen!", so die Atomgegner und weiter. "Die Weigerung Tschechiens, sich einem Gerichtsverfahren zu stellen, muss als Schuldeingeständnis interpretiert werden!"

Seit Oktober 2005 liegt der Bericht der internationalen Experten vor, der klar beweist, dass die wesentlichen Sicherheitsmängel in Temelin nicht behoben wurden. Beim Expertenhearing am 21. März 2007 im Parlament wurde vom Leiter der internationalen Expertenkommission, Professor Wolfgang Kromp, die Umsetzung der Vereinbarungen des Melker Abkommens durch die Tschechische Republik mit einem "Nicht Genügend" beurteilt.

"Vier Wochen sollten für die Bundesregierung ausreichen, um die Völkerrechtsklage beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag einzubringen. Offensichtlich kann nur die gerichtlich angeordnete Nachrüstung aller mit Österreich paktierten Sicherheitsauflagen die Gefahr aus Temelin bannen. Weiter bloß über die Sicherheit von Temelin in diversen Kommissionen zu debattieren, ist jedenfalls ein untaugliches Mittel, die ÖsterreicherInnen vor Temelin zu schützen.", so die Organisatoren der Temelin-Grenzblockaden abschließend.

http://www.linkszeitung.de

bearbeitet by bi, 2007-05-18

zur Startseite

© Amberger BI 1998-2007