Urantransporte durch Hamm
Pressemitteilung BI Umweltschutz Hamm
e. V, 2007-06-20
Nachdem die Hammer Stadtverwaltung sich zunächst
geweigert hatte, Fragen der Bürgerinitiative zu den Urantransporten durch
Hamm nach Gronau zu beantworten, hat sie mit Datum vom 11. 6. 2007 eine ähnliche
Anfrage der Hammer Ratsfraktion der Grünen nun doch bearbeitet
(Stellungnahme 0708/07, nicht 08/15!). Allerdings sind die Antworten unserer
Meinung nach größtenteils sehr unbefriedigend:
Stadt Hamm bisher nicht an konkreten Transportplanungen
beteiligt
In den letzten Jahren sind die Stadt Hamm und die Feuerwehr
Hamm nicht über die konkreten Termine der Uranhexafluoridtransporte
informiert worden. Das bedeutet, dass in unzähligen Fällen weder für
die Hammer Bevölkerung noch für den Katastrophenschutz zuständige
Institutionen konkrete Warnungen ausgesprochen wurden. Sie alle waren völlig
ahnunglos, dass ein hochgefährlicher Gefahrgut-transport nicht nur durch
Hamm fährt, sondern hier sogar viele Stunden lang einen Zwischenstopp
einlegt. Ein Störfall oder Unfall hätte Hamm ohne jegliche Vorwarnung
getroffen.
Es gibt keinen Katastrophenschutzplan!
In der Antwort auf Frage 6 wird zugegeben, dass es für
Hamm keinen Katastrophenschutzplan gibt. Der ist nur für in "Gebietskörperschaften
angesiedelten Risikobetrieben" vorgesehen. Es existieren lediglich "Feuerwehrdienstvorschriften"
für durchfahrende Gefahrguttransporte. Die Verwaltung gibt zu: "Es ist
unmöglich alle möglichen und denkbaren Schadensfälle (...)
jeweils detailliert vorzuplanen." Doch angeblich ist die Feuerwehr Hamm
bestens vorbereitet.
Die Feuerwehr ist überfordert: Weltjugendtag und
UF-6-Transporte sind nicht vergleichbar
Wir wollen der Feuerwehr den guten Willen, das Bestmögliche
für die Sicherheit der Hammer Bürger zu tun, ganz sicher nicht
abstreiten. Aber wenn in der offiziellen Stellungnahme der Stadt Hamm unter
Frage 2 ernsthaft im Zusammenhang mit UF-6-Transporten auf bisherige Einsätze
der Hammer Feuerwehr (im Rahmen des Verbandes 5) beim Weltjugendtag und der
Weltmeisterschaft 2006 verwiesen wird, müssen wir doch am Sachverstand der
für diese Äußerungen Verantwortlichen zweifeln. Aus einem
Einsatz beim Weltjugendtag oder der WM kann wohl kaum eine besondere Eignung und
Erfahrung bei Störfällen mit hochgiftigen und radioaktiven Stoffen
abgeleitet werden, weil es sich hierbei um ein völlig anderes Aufgaben- und
Gefahrenspektrum handelt.
Nicht situationsgerechte Annahmen
Mit Befremden lesen wir die Antwort auf unsere Frage 8: "Die
Transporteure sind aufgrund geltender Vorschriften im Gefahrgutbereich
verpflichtet, bei den jeweiligen Transporten entsprechendes Informationsmaterial
für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr mitzuführen". Bei einem
Entweichen von UF-6 ist mit schwersten, oft sogar tödlichen Verletzungen
derjenigen Menschen zu rechnen, die sich in der Nähe aufhalten. Wie soll da
noch Informationsmaterial beim Lokführer eingesehen werden? - Die sehr
kleinen unauffällig angebrachten Radioaktiv-Warnzeichen an den Waggons können
außerdem bei Bränden zerstört und dann nicht einmal mehr gesehen
werden.
Unzulängliche Transportbehälter: Feuertest nicht
bestanden
In der Anwort auf Frage 1 wird darauf verwiesen, dass nur alle
fünf Jahre eine Prüfung der Transportbehälter erfolgt. Angesichts
der intensiven Nutzung der Behälter (ca. 1 2 Transporte im Monat
allein durch Hamm) und des Gefahrenpotentials ist dieser Zeitraum viel zu lang.
Gegenwärtig werden in Deutschland Behälter vom Typ
48Y für den Uranhexa-fluoridtransport eingesetzt, bei denen lediglich eine
Transportgenehmigung vom Vereinigten Königreich für die Beförderung
im europäischen Verkehr vorliegt. Urenco ist ein multinationaler Konzern
und der Standort Capenhurst liegt in Großbritannien. Eben diese Behälter
48Y haben nach Angaben in der Bundestagsdrucksache 16/5174, Frage 30, einen
Feuertest nicht bestanden. Es ist unverantwortlich, in der BRD nicht zugelassene
und offensichtlich mit Mängeln behaftete Behälter für diese
hochgefährliche Fracht zu benutzen!
URENCO zunehmend unter Druck
In immer mehr Kommunen entlang der etwa 1000 km langen
Transportstrecke fragen sich besorgte Bürger, wie es um ihre Sicherheit
bestellt ist. Die Hammer Stadtverwaltung speist URENCO mit dem Hinweis ab, dass
es bei UF-6 Transporten bisher zu keinen Gesundheitsschäden gekommen
sei. Dabei veschweigt sie, dass es in Industrieanlagen und Laboren bei Unfällen
bereits zu vielen Schwerverletzten und Toten gekommen ist. Selbst beim Arbeiten
mit kleinsten Mengen UF-6 sehen Betriebsanweisungen umfangreichste Schutzmaßnahmen
und spezielle Notfallschulungen vor. Die Zeitschrift "Unfallversicherung
aktuell" (1/2001:
http://www.bayerguvv.de/download/uva101_17.pdf)
schrieb: "Das Unfallgeschehen zeigt, dass die schnelle und fachgerechte
erste Hilfe und ärztliche Behandlung von entscheidender, unter Umständen
lebensrettender Bedeutung sind". Dies gilt schon für ein paar Gramm.
Der tonnenschwere Transport durch halb Europa ist eine noch ganz andere
Dimension!
Atomanlagen stilllegen!
"... ist ein Restrisiko niemals auszuschließen"
schreibt die Stadtverwaltung Hamm. Diese Aussage teilen wir ausnahmsweise. Und
deswegen sollte die Urananreicherungsanlage in Gronau, in der der nukleare
Brennstoff für ca. 32 gefährliche Atomkraftwerke produziert wird,
stillgelegt werden, um das Übel an der Wurzel zu packen. Denn wie schreibt
die Stadtverwaltung Hamm in einem ihrer lichteren Momente so treffend: "Die
Katastrophe ist nicht planbar (...)."
Am 18. 6. 2007 berichtete der WDR Dortmund über die
Urantransporte durch Hamm, über die Reaktion der Stadtverwaltung und unsere
Kritik.
Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm e. V
Horst Blume
Schleusenweg 10
59071 Hamm
www.pleitereaktor.de
bearbeitet by bi, 2007-06-20
|