Alles Siedewasserreaktoren
Zufall?
Pressemitteilung FORUM, 2007-06-29
Die meisten und insbesondere die neueren Atomkraftwerke
unserer Erde sind Druckwasserreaktoren mit zwei Hauptkreisläufen. Bei ihnen
führt die enorme Wärmefreisetzung im Reaktor zu einer Druckerhöhung
im Primärkreislauf und erst im Sekundärkreislauf, der in einem Wärmetauscher
aus dem Primärkreislauf die Energie übernimmt, läßt man den
Dampf für die Turbine entstehen.
Im schwedischen Forsmark, wo letztes Jahr ein Kurzschluss im
Elektroteil beinahe zu einem Reaktorschmelzunfall geführt hat, der nur
durch das zwar vorschriftswidrige aber glückliche Eingreifen eines
Mitarbeiters verhindert wurde, im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel und
im ebenfalls schleswig-holsteinischen Krümmel, wo gestern zwei Reaktoren
durch Kurzschlüsse im elektrischen Teil blitzschnell abgeschaltet werden mußten,
laufen Siedewasserreaktoren.
Diese veralteten Reaktoren haben nur einen Hauptkreislauf. Für
die Betreiber haben sie jedoch den Vorteil, daß mit ihnen Lastsprünge
gefahren werden können. Die Reaktoren können in Sekundenschnelle um
hunderte Megawatt, also 100.000 Kilowatt und mehr, Leistung rauf und runter
gefahren werden. Das AKW Gundremmingen, das einmalig in Deutschland sogar aus
zwei Siedewasserreaktoren besteht, hat diesen Lastfolgebetrieb eigens beantragt
und von Bayerns Regierung genehmigt bekommen.
Diese Betriebsweise belastet die AKW außerordentlich, so
wie extremes Bremsen und Beschleunigen ein Auto stark beansprucht. Hinzu kommt,
dass in Siedewasserreaktoren, in denen das Wasser im Reaktor zum Sieden, also
zur Dampf- einschließlich Blasenbildung gebracht wird in
Druckwasserreaktoren wird im Reaktorkreislauf, dem Primärkreislauf, nur der
Druck gesteigert - das Reaktorgefäß infolge der die Neutronen kaum
bremsenden Dampfblasen besonders stark angegriffen und geschwächt wird.
Auch geben, wie die offiziellen Jahresstrahlungsberichte zeigen, die
Siedewasserreaktoren im Durchschnitt mehr Radioaktivität über den
Kamin und das Abwasserrohr an die Umwelt ab als die Druckwasserreaktoren.
In Deutschland laufen noch 17 AKW. Elf hiervon sind
Druckwasserreaktoren: Biblis A, Neckarwestheim 1, Biblis B, Unterweser
(Esensham), Grafenrheinfeld, Grohnde, Philippsburg II, Brokdorf, Isar II (Ohu
2), Lingen (Emsland), und Neckarwestheim 2. Sechs sind vom alten
Siedewassertyp: Brunsbüttel, Isar I, Philippsburg I, Krümmel,
Gundremmingen B, Gundremmingen C.
Jetzt stehen übrigens wenigstens fünf der 17 AKW
still: Biblis A + B (Reparatur eingebauter Dübelfehler), Gundremmingen B
(Jahresrevision und Maßnahmen wegen Hüllrohrschadens), Brunsbüttel,
Krümmel.
Im Interesse der Sicherheit und somit der Gesundheit der
Menschen fordern wir, dass unabhängige Fachleute untersuchen, welche
besonderen und möglicherweise mit dem Anlagenalter zunehmenden Risiken
gerade die Siedewasserreaktoren haben. Und die verantwortlichen Politiker sollen
nicht auf egoistische Einzelunternehmen hören, die noch längere
Laufzeiten der AKW fordern. Im Gegenteil: Die Gefahrzeit muß verkürzt,
die AKW müssen schnell abgeschaltet werden und die Maßnahmen zur
Energieeinsparung, zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Ausbau der
Erneuerbaren Energien müssen beschleunigt werden!
Raimund Kamm (Vorstand)
FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare
Energiepolitik e.V.
www.atommuell-lager.de
pr. Luitpoldstraße 26 86157 Augsburg
T.0821 - 54 19 36 Kamm@gmx.de
Unterstützt von der Ärzteorganisation IPPNW
Konto des FORUM e.V.: Kt-Nr.: 2 11 99
Raiffeisenbank Aschberg BLZ 72 069 113
Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß
wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie Erzeugung
kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.
Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen
2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien mittelfristig zur
Grundlage unserer Energieversorgung machen.
Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der
Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es
sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und im Frühjahr 2007
ist es mit rund 700 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und
Bayern, sogar die größte Anti-Atom-BI Süddeutschlands.
Jetzt warten wir auf den Beschluß des
Bundesverfassungsgerichts über unsere Verfassungsbeschwerde. Wir beklagen,
daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem
Schutz vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften
Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im
Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen
verletzt.
bearbeitet by bi, 2007-06-29
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