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Zehn Jahre nach dem Aus für die WAA Wackersdorf

Vor zehn Jahren verschwand das Gespenst Atomrisiko aus unserer Heimat. Und so manche fragen sich, warum es immer noch BIs in der Oberpfalz gibt, warum die Amberger BI sich nicht längst aufgelöst hat. Die Antwort ist relativ einfach: Unser Erfolg war und ist nur ein halber Sieg.

"Wackersdorf ist überall"

Dieser Slogan galt nicht nur damals, er gilt, nein er muß auch heute noch gelten. So wie wir Solidarität von anderen erfahren haben, so muß auch heute von uns, die den Segnungen der Atomkraft entkommen sind, Solidarität mit anderen Betroffenen an allen Atomstandorten gezeigt werden. Ob die umweltzerstörende, menschenverachtende und den Rechtsstaat gefährdende Atomenergie in La Hague oder Sellafield, in Bohunice oder Gundremmingen, in Temelin oder Biblis produziert wird, spielt letztendlich keine Rolle, was spätestens nach der radioaktiven Wolke von Tschernobyl allen Denkenden klar sein müßte. Unsere Forderung und unser Ziel muß daher lauten:

Abschalten, sofort, ohne Bedingungen.

Wer die sog. Atomkonsensgespräche verfolgt hat, kommt ganz schnell zu der bitteren Erkenntnis, daß Politiker heute anders reden als sie morgen handeln. Daß sie an ihrer Macht hängen und in Abhängigkeit zur Industrie- und Atomlobby viel zu schnell und leicht auf ihre Möglichkeiten verzichten.

Es muß daher unsere Aufgabe sein, sie täglich zu erinnern, Druck zu erzeugen, nicht nachzulassen in unserem Widerstand gegen Atomfabriken. Wir dürfen nicht warten, bis es irgendwann irgendwo wieder zu einem Unfall kommt. Ohne unseren Widerstand in seinen vielfältigsten Formen würden heute hier in der Oberpfalz Castor-Transporte unser Leben gefährden, Plutonium und Strontium unsere Umgebung verseuchen und massive staatliche Repressionen unseren Alltag beeinflussen.

Wir sind das Volk

An anderen Orten ist das leider Realität. Helfen wir also mit, daß auch an den vielen anderen Standorten das Gespenst Atomrisiko verschwindet. Daß die Bürger die Macht haben, hat sich in Wackersdorf gezeigt. Wer immer auch behauptet, es sei die Atomindustrie selbst gewesen, die


die WAA gestoppt habe, verschweigt dabei einen wichtigen Teil. Ohne unser aller Tun hätte die Atomlobby die Anlage ruhig fertiggebaut - auch wenn sie unwirtschaftlich war - Geld hat bekanntermaßen noch nie eine Rolle bei der Industrie gespielt und die mehr als 75 Milliarden Mark an Rücklagen der Atomindustrie sprechen ihre eigene Sprache.

Unser Verdienst

Und auch zwischen den Zeilen haben die Befürworter der Anlage damals zugegeben, daß der Widerstand ihnen den Verzicht auf Wackersdorf doch leicht gemacht hat. Unvergessen der Ausspruch von Benningsen-Foerder: "Laßt uns auf die WAA verzichten, damit uns wenigstens die Atomkraftwerke bleiben."

Nein, liebe Freundinnen und Freunde, wir alle haben ein gerüttelt Maß dazu beigetragen, daß das Gespenst WAA an uns vorüber gegangen ist. Helfen wir jetzt auch mit, daß das Gespenst der Atomkraft endlich verschwindet.

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© Amberger BI (U.Wenisch) 1998/1999