ATOMAUSSTIEG - JETZT !
Seit mehr als 15 Jahren verschweigen die Betreiber von Atomkraftwerken die
Verstrahlung von Castorbehältern. Die Grenzwerte - zum Schutz der Menschen
festgelegt - werden um das Tausendfache und mehr überschritten. Eine
Studie, die eine erhöhte Säuglingssterblichkeit in Deutschland nach
der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl belegt, wird geheimgehalten. Tauben in
der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlage Windscale, wo auch deutscher Atommüll
hingeschafft wird, strahlen so stark, daß sie als Atommüll
endgelagert werden müssen. Hochangesehene Wissenschaftler, wie zum Beispiel
der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Wolfgang Köhnlein,
werfen dem Bundesamt für Strahlenschutz und der Strahlenschutzkommission Verharmlosung"
und systematisches Herunterspielen" der Gesundheitsfolgen
radioaktiver Strahlung vor. Die Richtlinien für den Strahlenschutz beruhten
auf dem Erkenntnisstand der 50er Jahre." Die Liste der Vorfälle
und Skandale ließe sich beliebig fortsetzen. Höchste Zeit also, alles
zu tun und gerade jetzt nicht müde zu werden, um aus dieser
menschenverachtenden, umweltzerstörenden und den Rechtsstaat gefährdenden
Art der Stromerzeugung auszusteigen - und zwar jetzt, und
nicht erst in 10, 20 oder 30 Jahren.
Behauptungen, dies ginge nicht, weil sonst die Lichter ausgingen"
oder nur Atomstrom unser Klima retten könnte", hören wir
seit Jahren. Doch alle diese Schutzbehauptungen der Atomlobby sind längst
widerlegt. Auch auf die Fragen nach den Arbeitsplätzen, die verloren gehen
könnten oder mögliche Entschädigungsforderungen der AKW-Betreiber
sind hinlänglich erörtert und geklärt. Wer aussteigen will, der
kann es auch - aber es muß eben der politische Wille da sein.
Wir lassen uns nicht länger für dumm verkaufen.
Alle Versprechungen und treuherzigen Ankündigungen haben sich als leere
Sprechblasen erwiesen. Wir wollen den Ausstieg jetzt, und wir werden bei den nächsten
Wahlen nur denen unsere Stimme geben, die damit wirklich und sofort ernst
machen.
Dokumentation einiger Reaktionen auf den
Castor-Skandal:
· Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Hermann Lutz: Ein
ähnlich skandalöses Hintergehen seiner Bürger ist nur noch in
Diktaturen oder den korrupten Strukturen einer Bananenrepublik denkbar."
· Der BBU erklärt durch seinen Sprecher Wolfgang Kühr: Jede
Imbissbude wird hierzulande besser auf ihre Gesundheitsgefährdung überwacht,
als ein Unternehmen, das Atomanlagen oder Atomtransporte betreibt. Und da ist es
dann mit einer Entschuldigung nicht getan, wenn das Gewerbeaufsichtsamt
feststellt, daß die Wurst schimmelt."
(aus: Gorleben Rundschau, Mai/Juni 98)
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