Warum Atomenergie das Klima nicht retten kann

"Atomkraftwerke schützen das Klima". Damit werben Atomkonzerne und deren Lobbyvertreter in den Parteien angesichts der drohenden Klimakatastrophe für längere Laufzeiten ihrer Meiler und für den Neubau. Wieder besseren Wissens behaupten sie dreist, Atomstrom produziere kein klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Doch diese Aussage ist nur die halbe Wahrheit: Tatsächlich setzt die reine Erzeugung von Atomstrom kaum CO2 frei, die Herstellung der Brennelemente jedoch, ohne die kein Atomkraftwerk Strom produzieren kann, erfordert eine Unzahl von Schritten, bei denen gewaltige Mengen dieses schädlichen Gases produziert werden.

Das tschechische Atomkraftwerk Temelin

Die Lüge von der Renaissance der Atomenergie

Auch wenn von Seiten der Befürworter immer wieder behauptet wird, "alle" Welt setze auf Atomkraft, so stimmt dies nicht. In den westlichen Industriestaaten wird lediglich in Finnland ein neues AKW gebaut. In den USA wurde seit 30 Jahren, in Deutschland seit 22 Jahren kein neuer Atommeiler bestellt, ähnliches gilt für Großbritannien und die Niederlande.

Aber kaum jemand nahm zur Kenntnis, dass am 1.1.2007 immerhin sieben AKWs in Europa endgültig abgeschaltet wurden (in Bulgarien Block 3 und 4 des AKW Kosloduij, in der Slowakei Block 1 des AKW Bohunice, in England jeweils zwei Blöcke im AKW Dungeness und im AKW Sizewell)

Strom aus Atomkraftwerken ist nicht CO2-frei!

Die Atomkraftwerksbetreiber und ihre Lobby-Vertreter in den Parlamenten verschweigen geflissentlich, dass der Uranabbau in den Uranminen (um die Brennelemente eines Jahres für ein AKW herstellen zu können, müssen ca. 450 000 Tonnen Uranerz gefördert und abgebaut werden), die Urananreicherung, die Herstellung von Brennelementen, der Transport dieser Stoffe (z. B. aus dem südfranzösischen Malvési/Narbonne über Pierrelatte bis ins münsterländische Gronau - mehr als 2000 km) sehr wohl größere Mengen CO2 produziert. Auch der Bau und spätere Abriss eines AKWs und das Hin- und Herverschieben von Atommüll muss in die CO2-Bilanz aufgenommen werden. Das Lügengebäude der Atomkraftbefürworter bricht zusammen.

Atomstrom produziert mehr CO2 als Windkraft

Das Ökoinstitut Darmstadt hat zusammen mit der Gesamthochschule Kassel CO2 Gesamtbilanzen für die verschiedenen Energieträger erstellt. Die Studie unter dem Namen "GEMIS" stellt fest, dass unter Berücksichtigung des gesamten Produktionsprozesses (allerdings ohne Berücksichtigung der Emissionen, die durch Abriss des AKWs, Renaturierung und Lagerung des Atommülls entstehen) bei Atomstrom 31,4 Gramm CO2 pro kWh freigesetzt werden. Wesentlich niedriger als bei Atomstrom liegt die Windkraft mit 18,6 g/kWh und auch Holzenergie mit 11,5 g/kWh. Selbst ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk, das neben Strom auch die Wärme nutzt, kommt nur auf 29,3 g/kWh.

Problem Krypton 85 - Atomenergie schuld

In der aktuellen Klimadiskussion spielt das radioaktive Edelgas Krypton 85 kaum eine Rolle, obwohl es sich intensiv auf das Klima auswirkt. Das radioaktive Krypton 85, das wir in der Atmosphäre wiederfinden, stammt zum kleinen Teil aus oberirdischen Atombombentests (weniger als 1 %), zum größten Teil aus den militärischen und zivilen Wiederaufarbeitungsanlagen (mehr als 99 %). Es ist in den Brennstäben enthalten und wird bei der Wiederaufarbeitung freigesetzt. Das radioaktive Edelgas Krypton 85, ein Produkt der Kernspaltung, ionisiert die Luft unter allen radioaktiven Stoffen am intensivsten.

Windkraftanlagen

Atomkraft überschätzt sich

Die Atomwirtschaft kann - auch wenn sie das gerne behauptet - das Weltklima gar nicht entscheidend beeinflussen. Nur ca. 16 Prozent des globalen Energieverbrauchs entfällt auf die Stromerzeugung, davon wiederum hat die Atomkraft einen Anteil von 17 Prozent (erneuerbare Energien haben heute weltweit schon einen Anteil von 19 Prozent). Strom aus Atomkraft beträgt also lediglich ca. 3 Prozent des gesamten weltweiten Energieverbrauchs. Um wirklich den globalen CO2-Ausstoß mit Hilfe von Atomkraft merklich zu verringern, müssten über 1000 (!) neue AKWs gebaut werden - finanziell unvorstellbar, hoch riskant, viel zu langsam und nicht durchführbar (im übrigen wären dann die Uranreserven auch bald aufgebraucht).

Fakten, die uns nachdenklich stimmen müssen

· Atomkraft ist die gefährlichste Art der Stromerzeugung

· Schon im Normalbetrieb stellt ein AKW durch die permanente Niedrigstrahlung ein gesundheitliches Risiko dar

· Auf der ganzen Welt gibt es bis heute kein sicheres Endlager

· Eine radioaktive Verseuchung ganzer Landstriche durch einen schweren Atomunfall (GAU) kann nicht ausgeschlossen werden

· Die Atomkraft kann sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden

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bearbeitet by bi, 2007-02-15

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