Aufgeschreckt durch Zeitungsberichte und Gerüchte fanden im Oktober 1981 in Schwandorf zwei lose Treffen von Bürgern statt. Wenige Tage später bereits wurde die BI Schwandorf gegründet. Die erste Demonstration fand dann im Dezember 1981 mit etwa 3000 Personen anläßlich eines Treffens von CSU-Mandatsträgern in der Oberpfalzhalle in Schwandorf statt, bei der die CSU-Politiker auf die konsequente Pro-WAA-Linie eingeschworen werden sollten. Das war der Auftakt einer jahrelangen Protestwelle. Schnell machte der Plan, im Raum Wackersdorf eine Atomfabrik zu bauen, in der ganzen Oberpfalz die Runde. Wie Pilze schossen nun Bürgerinitiativen in die Höhe: in Amberg, Cham, Weiden, Regensburg, Schwarzenfeld, Nittenau, Neunburg, Fischbach, Burglengenfeld, Teublitz, Rötz, Sulzbach-Rosenberg, Hirschau usw. Überall wurden Informationsveranstaltungen abgehalten. Gegenveranstaltungen der CSU und der DWK wurden besucht, unliebsame Fragen gestellt. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger engagierten sich, wurden zu Multiplikatoren. Plakate, Schilder und Autoaufkleber zeugten vom WAA NEIN". Nach der offiziellen Entscheidung der DWK im Taxölderner Forst bei Wackersdorf eine WAA zu bauen, kam es zur ersten Großdemonstration mit mehr als 30 000 Menschen auf dem Schwandorfer Marktplatz. |
|
|
Platzbesetzungen und HüttendörferNach den ersten Rodungsmaßnahmen im Dezember 1985 besetzten im Anschluß an eine Demonstration mehr als 1000 Menschen das WAA-Gelände und errichteten ein Hüttendorf. Doch schon nach zwei Tagen wurde dies von einem massiven Polizeiaufgebot wieder geräumt. Aber schon fünf Tage später entstand das zweite Hüttendorf, das 18 Tage lang als Republik freies Wackerland" die Schlagzeilen füllte. Zeitweise hielten sich mehr als 15 000 Menschen dort auf. Die Bewohner des besetzten Gebietes, Einheimische und Auswärtige, wurden von der Bevölkerung der umliegenden Gemeinden mit allem notwendigen versorgt. Und die Polizei war mehr als überrascht, als sich in den Morgenstunden des 7. Januar 1986 mehr als 3000 Menschen im Dorf befanden, das es zu räumen galt. Darunter Bundes- und Landtagsabgeordnete von SPD und Grünen und auch der Schwandorfer Landrat Hans Schuierer. Wie schon früher verfuhr die Polizei auch bei dieser Räumung nach dem Selektionsprinzip. Oberpfälzer wurden einfach freigelassen, Auswärtige zur Personalienfeststellung festgenommen. Am Abend verkündete dann der damalige bayerische Innenminister die Bilanz: Von den über 800 Festgenommenen kämen 80 % von außerhalb - aber alle Beteiligten wußten, daß dies falsch war. Das Hüttendorf war dennoch ein wichtiger Markstein in der Geschichte des Widerstands. Dank der Medien wurde dieses Thema nun weit außerhalb Bayerns und Deutschlands bekannt. |
|
|
CN- und CS-Gas wird eingesetztMehr als 100 000 Menschen beteiligten sich an der Kundgebung gegen die WAA am Ostersonntag 1986. Die Friedensbewegung hatte auf den Zusammenhang zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomkraft aufmerksam gemacht und den Ostermarsch nach Wackersdorf organisiert. Als es zu ersten Rangeleien und Steinwürfen kam, setzte die Polizei erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik bei einer Demonstration das völkerrechtlich geächtete CN- und CS-Gas ein, das den Wasserwerfern beigemischt wurde. Zig Tausend friedliche Bürger und Bürgerinnen bekamen diese Auswirkungen zu spüren. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Reizgas jedes Wochenende bei den sog. Sonntagsspaziergängen eingesetzt. |
|
|
BürgerkriegNoch im Schatten der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fanden an den Pfingstfeiertagen mehrere Großdemonstrationen mit weit über 50 000 Menschen statt. Diese Tage waren der Höhepunkt der gewaltsamen Auseinandersetzungen. Über 400 Menschen auf beiden Seiten wurden verletzt, Polizeihubschrauber bombardierten mit Gasgranaten völlig friedliche Menschen und Zelte des Roten Kreuzes auch abseits des Bauplatzes, Polizeifahrzeuge wurden angezündet. Solche Schlachten wiederholten sich in der Folgezeit. |
|
|